Website im Überblick
Mehr als eine halbe Million Kinkster zum Chatten – mit dieser Zahl wirbt FET auf seiner Startseite, und sie umreißt recht genau, worum es hier geht. Die App beschreibt sich selbst als Kink- & BDSM-Dating-App für die Fetisch-Szene, also als Ort, an dem Menschen mit Neigungen zusammenfinden, die im üblichen Dating-Alltag selten offen zur Sprache kommen. In diesem Verzeichnis läuft der Dienst unter Sex-Dating-Seiten, und dieser Eintrag trifft den Kern besser als jede allgemeine Beschreibung: Es geht nicht um Kennenlernen mit angezogener Handbremse, sondern um eine Umgebung, in der Fetisch, Dominanz und Submission selbstverständlich dazugehören.
Wer sich anmeldet, gestaltet nach eigener Darstellung ein Profil, das mehr preisgeben darf als üblich. Teile deine Vorlieben und Fantasien, ganz ohne Maske, heißt es dort – verbunden mit einer klaren Einschränkung: Du entscheidest, was öffentlich ist, der Rest bleibt dein Geheimnis. Dazu kommt eine zweite Kontrollmöglichkeit, die in dieser Szene schwerer wiegt als in gewöhnlichen Apps, weil Vorlieben sehr unterschiedlich ausgelegt werden: Du bestimmst, wer dir schreiben darf. Das Versprechen lautet damit nicht nur offenes Profil, sondern offenes Profil mit Türsteher – man zeigt, was man zeigen will, und behält den Zugang zu sich selbst in der Hand.
Das Entscheidende an der Kostenfrage steht ganz vorn in den Allgemeinen Geschäftsbedingungen: Die Grundnutzung ist und bleibt garantiert kostenlos. Ausdrücklich genannt werden das Ansehen von Profilen, das Schreiben, Lesen und Empfangen von Nachrichten sowie die Aktivität in Chat und Forum – genau die Funktionen, an denen andere Dienste gern die Bezahlschranke einziehen. Zusätzlich heißt es, viele hunderttausend Mitglieder seien damit seit Jahren zufrieden. Wer mehr möchte, kann weitere Funktionen für wenig Geld erwerben; die Bedingungen führen dafür Premium-, VIP- und Dominatrix-Mitgliedschaften auf und enthalten für diese drei Modelle eine eigene Widerrufsbelehrung.
FET ist als App gebaut und wird über App Store und Google Play zum kostenlosen Download angeboten, die mobile Nutzung steht also im Vordergrund. Ein Konto gehört dazu: Die AGB widmen der Registrierung und den Profilen einen eigenen Abschnitt, ebenso den Pflichten der Mitglieder und dem Vertragsgegenstand. Das klingt nach Formalismus, sagt aber etwas über den Charakter des Dienstes – hier geht es um eine Plattform mit Regeln, und in einer Szene, in der Grenzen und Einverständnis zentral sind, ist das eher ein Vorteil als eine Hürde.
Zum Kennenlernen bietet die Startseite zwei Zugänge, die sich ergänzen. Der Live-Chat für Kinkster bringt Gespräche direkt in Gang, während ein BDSM-Test die eigenen Neigungen sortiert, bevor man sich auf jemanden einlässt. Der vielleicht interessanteste Punkt steht unter dem Stichwort offline: Matche mit jemandem, der dich versteht, und trefft euch – so formuliert es die Seite selbst. Damit versteht sich die App nicht als Chatspielzeug, sondern als Weg zu realen Begegnungen, und genau daran muss sich ein Fetisch-Dating-Angebot messen lassen.
Sicherheit wird als eigener Punkt geführt, und die AGB behandeln den Jugendschutz in einem gesonderten Abschnitt – bei einem Angebot, das explizit Fetisch und BDSM adressiert, ist das keine Selbstverständlichkeit. Passend dazu spricht die Selbstbeschreibung von einer Familie, also von einer Community, in der man sich für seine Neigungen nicht rechtfertigen muss. Ein Bereich mit der Überschrift Uncut deutet an, dass dabei nicht zimperlich formuliert wird: Was abseits des Mainstreams liegt, wird hier nicht als Randthema verpackt, sondern als Programm der Plattform. Die App tritt damit nicht als anonymer Kontaktmarkt auf, sondern als Ort mit Gemeinschaftsanspruch.
Der BDSM-Test ist ein naheliegender Startpunkt, weil er die eigenen Vorlieben ordnet, bevor man sich in den Chats unter Kinkstern umsieht. Von dort führt der Weg über die Profile zu Menschen, die auf dasselbe stehen – und im besten Fall, wie die Startseite es verspricht, zu einem Treffen außerhalb der App. Ob daraus mehr wird, entscheiden am Ende die Beteiligten; den Rahmen und die nötige Offenheit dafür liefert der Dienst.


